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«Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen»: Reto Bernhard. - TEIL 1

29. Sept.
4 Min. Lesezeit


Die Stimmberechtigten haben Ja gesagt – zur Erweiterung des Schulhauses, zur neuen Mehrzweckhalle und zum Generationenplatz Pünten. Im ausführlichen Gespräch mit stalliker.ch blickt Gemeindepräsident Reto Bernhard auf den Entscheid zurück und nach vorne: auf die Situation der Schule, die finanzielle Belastung, die Kritik am Projekt, die Frage nach einem Modulbau – und darauf, wie es nun konkret weitergeht.


«Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen», sagt Reto Bernhard über das Abstimmungsergebnis. Für ihn bedeutet das Ja, dass ein Projekt Wirklichkeit werden kann, das aus seiner Sicht dringend notwendig ist: mehr Schulraum, eine eigene Halle für den Sport und ein Ort, an dem sich die Generationen begegnen.


Der zusätzliche Platz werde dringend gebraucht. Bernhard verweist auf den Alltag der Lehrpersonen, die bisher immer wieder Zimmer wechseln und improvisieren mussten, um genügend Schulraum zur Verfügung zu haben.


Auch beim Sportunterricht besteht seit längerem ein Engpass. Weil die bestehende Infrastruktur stark ausgelastet ist, muss ein Teil der Kinder für den Sportunterricht regelmässig in eine andere Gemeinde gefahren werden. Mit der neuen Mehrzweckhalle soll das künftig wegfallen. Die Kinder gewinnen so mehr Zeit für den eigentlichen Unterricht, und die Gemeinde spart die Transportkosten.


«Die Kinder konnten nicht abstimmen»


Besonders am Herzen liegen Bernhard jene, die beim Entscheid selbst keine Stimme hatten.


«Diejenigen, die nicht abstimmen konnten, sind die Kinder. Und für sie ist dieses Projekt eigentlich am wichtigsten.»


Er sei deshalb sehr froh, dass Stallikon nun langfristig und zukunftsorientiert planen und die notwendige Bildungsinfrastruktur sichern könne.


Zugleich zeigt Bernhard Verständnis für jene, die dem Projekt nicht zugestimmt haben. Rund 37 Prozent der Abstimmenden sagten Nein – und angesichts der finanziellen Dimension könne er diese Bedenken nachvollziehen. Die gesamte Belastung sei für eine Gemeinde wie Stallikon ein sehr grosser Betrag.


Verantwortung auch gegenüber der nächsten Generation


Die finanzielle Seite sei intensiv analysiert worden, betont Bernhard – unter anderem gemeinsam mit Finanzvorsteher Nino Ciganovic und Reto Feuz.


Gestützt auf die vorhandenen Zahlen und die Finanzplanung geht er davon aus, dass Stallikon das Projekt tragen kann, ohne in eine langfristig problematische Verschuldung zu geraten. Entwickeln sich die Finanzen wie heute angenommen, könne die Gemeinde die prognostizierte Verschuldung von maximal rund 2’000 Franken pro Kopf sowie die notwendigen Abschreibungen bewältigen.


Dieser Punkt ist ihm persönlich wichtig. Ein grosses Projekt zu realisieren, ohne zu wissen, wie die daraus entstehenden Schulden später zurückbezahlt werden, und diese Last einfach den nächsten Generationen zu überlassen, wäre für ihn nicht richtig.


Warum kein Modulbau?


Im Vorfeld wurde auch diskutiert, ob ein Modulbau die bessere Alternative gewesen wäre. Bernhard hatte sich dazu bereits an der Informationsveranstaltung geäussert: Aufgrund der Grösse des Projekts, des verfügbaren Restareals, der Grundstückssituation und der Baulinien sei eine modulare Lösung aus seiner Sicht nicht sinnvoll beziehungsweise in der gewünschten Form nicht realisierbar gewesen.


Ein zentraler Punkt ist die Verbindung von bestehendem und neuem Schulhaus. Die Gebäude werden direkt aneinandergebaut und bilden so eine Einheit, in der die verschiedenen Bereiche miteinander verbunden sind. Die Schülerinnen und Schüler müssen nicht ins Freie, um von einem Gebäudeteil in den anderen zu gelangen.


Auch für die Mehrzweckhalle sei diese Anordnung entscheidend. Bei einer anderen Platzierung wäre auf dem Areal nicht genügend Raum für die geplante Halle geblieben. Gleichzeitig bleibt auf der Seite Richtung Püntenstrasse mehr zusammenhängende Fläche für den Spielplatz und den Kindergarten erhalten.


Bernhard verweist zudem auf Grenzabstände und baurechtliche Vorgaben. Die Gemeinde habe in der Vergangenheit ein Näherbaurecht gewährt; zusätzlich schränke die Baulinie entlang der Strasse die nutzbare Fläche ein. Auch der Baugrund spielte eine Rolle: Er erfordert eine Pfählung beziehungsweise eine besondere Fundation. Auch unter diesem Gesichtspunkt hält Bernhard die gewählte Bauweise für die bessere Lösung.


Beitrag des Kantons für die Sportanlage


Die Mehrzweckhalle soll nach Bernhards Angaben zudem einen Beitrag des Sportamts des Kantons Zürich ermöglichen. Er rechnet mit einer Grössenordnung von deutlich über einer halben Million Franken, was die effektiven Kosten für die Gemeinde entsprechend senken würde.

Für Bernhard fügt sich damit alles zu einem stimmigen Gesamtbild.


«Das Gesamtprojekt überzeugt mich – und das schon von Anfang an, seit dem Wettbewerb, mit dem wir anschliessend weitergegangen sind.»


Er ist überzeugt, dass Stallikon damit etwas schafft, das weit über die heutige Generation hinaus Bestand hat: eine solide, hochwertige Infrastruktur, die lange genutzt werden kann.


Die Würfel sind gefallen


Auf die Frage, wie der Gemeinderat nun mit der Gegnerschaft umgehen wolle, verweist Bernhard auf die direkte Demokratie.


«Wir sind zum guten Glück in einer direkten, wunderbaren Demokratie in der Schweiz.»


Bei einem solchen Projekt entscheide letztlich die Mehrheit. Natürlich freue er sich, dass diese dem Projekt zugestimmt habe. Für die rund 37 Prozent Nein-Stimmenden habe er dennoch «volles Verständnis».


Bernhard sieht zwei mögliche Gründe für die Ablehnung: einerseits die Frage, ob der zusätzliche Schulraum tatsächlich schon jetzt oder erst später benötigt wird, andererseits die Sorge um die finanzielle Belastung. Beide Themen seien im Vorfeld, insbesondere an der Informationsveranstaltung, offen kommuniziert worden.

Eine erneute Grundsatzdiskussion hält er nach dem demokratischen Entscheid nicht mehr für nötig.


«Mit dieser Abstimmung sind jetzt die Würfel gefallen – und jetzt wird realisiert.»



Im zweiten Teil: Wie es nach dem Ja konkret weitergeht – Baubewilligung, Zeitplan, Baukommission und Kostenkontrolle.


Text & Bilder: Deviprasad Rao

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