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Benzin im Blut : Christian Vonow und die Faszination für Oldtimer

1. Okt.
2 Min. Lesezeit

 

Schon in seiner Jugend entdeckte Christian Vonow seine Leidenschaft für alles, was Räder und einen Motor hat. Was mit dem Reparieren von Fahrrädern und dem Frisieren von Mopeds auf dem heimischen Vorplatz begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer tiefen Passion für klassische Automobile und präzise Handwerkskunst. «Ich hatte das Glück, dass wir zu Hause immer Werkzeug hatten», blickt der Stalliker zurück. «Mein Vater hat uns erklärt, wie man ein Velo repariert – so bin ich eigentlich in das Bastelexperiment hineingeraten.»

 

Der Grundstein für seine Oldtimer-Liebe wurde schliesslich 1971 gelegt. Damals lernte er bei einem Samariterkurs eine junge Dame kennen und verliebte sich auf Anhieb in deren Fahrzeug: einen Fiat 850 Bertone Spider. «Ich wusste nicht, gefällt mir die Besitzerin besser oder das Auto», schmunzelt Vonow. Als der Wagen Jahre später für die dreifache Mutter als Familienfahrzeug zu klein wurde, übernahm er das Bijou 1983 für lediglich1'500 Franken – mit dem Versprechen, es mindestens zehn Jahre lang nicht zu verkaufen. Heute, über vier Jahrzehnte später, befindet sich der Oldtimer immer noch in seinem Besitz.

 

Ein Schrauber aus Leidenschaft gibt sich jedoch selten mit dem Werkszustand zufrieden. Weil ihm die ursprünglichen 47 PS zu wenig waren, verpflanzte Vonow in zweijähriger Tüftelarbeit einen 70 PS starken Autobianchi-Motor in den Fiat. Die Krux an der Geschichte: Der Austauschmotor drehte im Gegenuhrzeigersinn. Um nicht mit vier Retourgängen dazustehen, baute Vonow das Triebwerk auf einem selbstkonstruierten Prüfstand im eigenen Keller komplett um. «Sonst wäre ich schnell rückwärts gefahren, aber kaum vorwärts», erinnert er sich.

 

Heute hat sich der 71-Jährige einen lang ersehnten Traum erfüllt: Nur 400 Meter von seinem Zuhause entfernt, bezog er endlich eine eigene Werkstatt. Hier steht neben dem treuen Fiat auch sein zweiter Klassiker – ein kraftvoller Triumph GT6 mit einem Zweilitermotor, den er sich als 20-Jähriger schon gewünscht hatte. Kürzlich meisterte er mit dem rassigen Briten den 2'770 Meter hohen Col d’Iseran in den französischen Alpen. Sehr zur amüsierten Enttäuschung des Perfektionisten, verlief die Tour völlig pannenfrei: «Ich habe den halben Kofferraum mit Ersatzteilen und Werkzeug mitgenommen und nichts gebraucht. Das war mechanisch gesehen richtig langweilig für mich, jedoch entspannt für Maya!»



In seiner Garage geniesst Christian die Freiheit der Pensionierung. Ob er nun an seinen eigenen Klassikern arbeitet oder zwischendurch ein Fahrzeug für Bekannte restauriert – Hektik gibt es keine. «Zeit ist das höchste Gut, das man haben kann. Das ist ja keine Arbeit für mich, das ist ein Hobby», betont der Stalliker. Wenn er unterwegs das Fenster herunterkurbelt und dem satten Klang des Motors lauscht, ist das pure Entspannung: «Viele Leute sagen, das ist krank. Für mich ist das Musik.»

 

Zur Person

Christian Vonow (71) aus Sellenbüren wuchs in Uitikon auf. Nach Stationen als Taxi- und Lastwagenfahrer absolvierte er ab 24 eine Maurerlehre, bildete sich zum Polier und schliesslich zum Bauführer weiter. Seit 1984 lebt er mit seiner Frau Maya in Stallikon. Neben der Leidenschaft für Oldtimer hält er sich mit jährlich rund 6'000 Kilometern auf dem Fahrrad fit und betreibt diverse andere Aktivitäten.


Text: Deviprasad Rao  (Bilder: zvg)

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