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«Dazwischen»: Kunst aus den kleinen Zeitfenstern des Lebens

vor 1 Tag
2 Min. Lesezeit

Mit der Ausstellung «Dazwischen» von Laura Herter rückt Kultur Stallikon ein Thema ins Zentrum, das imAlltag vieler Frauen präsent ist und dennoch unsichtbar bleibt: die Spannung zwischen Fürsorge undFreiheit, Familie und eigenem Schaffen. Die von Kultur Stallikon organisierte Ausstellung ist in der Bibliothek Stallikon zu sehen und dauert bis zum 20. Oktober.


Herters filigrane figurative Zeichnungen kreisen um das Frausein, Mutterschaft und weibliche Identität. Siegreifen Erfahrungen wie Geburt, Verlust und innere Zerrissenheit auf. Zugleich setzen sie sich mit gesellschaftlichen Erwartungen auseinander. Dabei beschäftigt sich die Künstlerin mit der Frage, was sichtbar wird und welche Arbeit, Gefühle und Bedürfnisse unbeachtet bleiben.


Der Titel «Dazwischen» beschreibt für Herter nicht bloss eine Übergangsphase. Er steht für den Lebens- undArbeitsraum, in dem ihre Kunst entsteht: während eines Mittagsschlafs der Kinder, in seltenen betreuungsfreien Stunden oder spätabends, wenn es im Haus ruhig wird. Lange empfand sie diese kurzen und kaum planbaren Zeitfenster als Einschränkung. Heute erkennt sie darin den Ursprung ihres Schaffens.Aus Unterbrechungen entstehen andere Gedanken, aus Begrenzungen neue Formen.


Damit weist die Ausstellung über das Persönliche hinaus. Herter thematisiert Strukturen, die mitbestimmen, wessen Zeit verfügbar ist, wessen Arbeit Anerkennung erhält und wie viel Raum Frauen für eine eigenekünstlerische oder berufliche Entwicklung zugestanden wird. Mutterschaft erscheint dabei als ein Erfahrungsraum, aus dem neue Fragen, Perspektiven und Formen des künstlerischen Arbeitens hervorgehen. Herter widerspricht der Vorstellung, eine Familiengründung müsse zwangsläufig auf Kosten einer künstlerischen Laufbahn gehen.


Manche Arbeiten wirken skizzenhaft oder bewusst unvollendet. Gerade dadurch laden sie die Betrachtenden ein, innezuhalten, das Fehlende mit eigenen Gedanken zu ergänzen und mit den Bildern in einen stillenDialog zu treten. Widersprüche müssen nicht aufgelöst werden: Liebe und Erschöpfung, Hingabe und Eigenständigkeit sowie Verbundenheit und Freiheitsdrang dürfen nebeneinander bestehen.


Laura Herter studierte Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste. Mit «Dazwischen» rückt sie kleine, vermeintlich nebensächliche Momente ins Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Kreativität, so vermittelt diese Ausstellung, wächst oft genau dort, wo das Leben eng und vielstimmig ist – mittendrin und dazwischen.

 

Öffnungszeiten: Mo bis Fr: 15:00 bis 19:00 Uhr, Sa: 10:00 bis 12:00 Uhr. Während der Schulferien am Dienstag von 15:00 bis 18:00 Uhr -  in der Gemeindebibliothek im Schulhaus Loomatt, Massholderenstrasse 3, 9143 Stallikon


Quelle: Kultur Stallikon

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